Gedichte

3. Aug, 2017

Ein kleiner Kaktus ewig stand

in einer Wüste, heiß und leer.

Er sah sein Leben lang nur Sand

und sehnte sich zum blauen Meer.

 

Der Wunsch, der wurde übergroß

er wollte Wasser sehn´,

sodass der Kaktus sich entschloss

nun außer Land zu gehn´.

 

Der Weg recht weit und mühsam war,

die Kraft auch langsam schwand

sein Ziel jedoch ganz hell und klar;

es trübte den Verstand.

 

Doch irgendwann war es soweit,

ganz warm wurd´ ihm ums Herz.

Vergessen all die schlimme Zeit

vergessen all der Schmerz

 

die Schönheit ließ ihn leicht erblassen

das Meer in seiner Pracht

er konnt´ es nicht in Worte fassen

das Feuer war entfacht

 

Das Meer, es rief ihm lockend zu:

„So komm, tauch in mich ein.

Vergessen wirst du wie im nu

und glücklich wirst du sein!“

 

Der Kaktus war nun wie von Sinnen

und lief in Richtung Meer.

Die Wogen zärtlich ihm umfingen,

er spürte es nicht mehr!

 

Stru (05/2003)

3. Aug, 2017

Langsam rekeln sich die Triebe

Durch die Erde an das Licht

Auf, dass nun die Wärme siege

Doch der Winter geht noch nicht

 

Ein letztes mal zeigt er noch Macht

Lässt es stürmen, hageln, friern´

Von der Sonne ausgelacht

Wird er bald den Kampf verliern´

 

Langsam steigt des Baumes Saft

Von der Wurzel bis zum Ast

So gewinnt der Frühling Kraft

Abfällt all des Winters Last

 

Vögel zwitschern ihre Lieder

Freudig flatternd ringsumher

Farben bringt der Frühling wieder

Graue Tage gibt’s nicht mehr

 

Langsam wachsen Gräser, Blüten

Stetig wuchernd in die Höh´

Sattes grün, gleich alten Mythen

Puren Frühling rundum seh´.

 

Stru (03/2006)

3. Aug, 2017

Am Schreibtisch eines alten Herrn

Ein Bleistift lag schon ewig dort

Doch dieser Mann, er malte gern

In bunter Farb´, in einem fort

 

So wünschte sich der Bleistift nun

Ein Buntstift würd´ aus ihm

Nicht länger müsste er dann ruhn

Könnt über viele Blätter ziehn´.

 

Er dachte an die warme Hand

Des Mannes die ihn würde halten

Es wäre wie ein sanftes Band

Die Freundschaft würde nie erkalten

 

Und eines Tages voller Pein

Sah er die Stifte wieder an

Sie waren alle furchtbar klein

Ganz aufgebraucht vom alten Mann

 

Der hatte nun genug vom Malen

Sein Eifer war dahin

Er sah zum grauen Stift, zum fahlen

Die Zeit – ein Neubeginn

 

Der Stift, der war beglückt sofort

Sein Leben macht Geschichte

Der Mann der schrieb an Stell und Ort

Ab nun nur noch Gedichte

 

 

Stru  (01/2000)