Gedichte

5. Aug, 2017

 

Jedes Wort verliert den Sinn,

Schweigen füllt den Raum.

Ich frage mich, ob ich es bin?

Ein Teil vom großen Traum.

 

Ganz leise, doch ich kann es fühlen,

der Traum nennt sich das Leben!

Mein Herz beginnt sich aufzuwühlen

und schließt mit einem Beben!

 

Der Schleier fällt, die Augen klar,

Mein Herz, es sprengt sich frei!

Noch zweifle ich, ist es denn wahr?

Das Echo völlig einerlei.

 

Ich atme tief und rieche dich,

noch immer ist es still.

Ich seh dich an, verliere mich,

Nun weiß ich was ich will.

 

Die Mauer, die einst aufgebaut,

sie hält nicht mehr – ich lach sie tot!

Der Schmerz, der sich einst aufgestaut,

Die Seele pendelt sich ins Lot.

 

Dies zu beschreiben fällt mir schwer,

zu wenig Worte auf der Welt,

und bleibt der Raum der Worte leer

Mein Herz zu deinem sich gesellt!

 

 Stru 11/2006

 

 

5. Aug, 2017

 

Ein dreckiger Keller, düster, verraucht.

Der Whisky ist billig, die Leute verbraucht.

Sie leben ihr Leben, meistens ist‘s schwer,

sie trinken den Whisky und oft auch noch mehr

 

Auf der Bühne steht ein alter Hocker,

darauf eine Frau, das Kleid sitzt sehr locker.

Die Stimme ist rauchig, leer sind die Augen

Zerschlissene Strümpfe, die nichts mehr taugen

 

Sie singt den Blues, erzählt Geschichten,

von Menschen die hassen und sich vernichten,

von verlorener Liebe und vom Tod,

von Menschen die hungern in ihrer Not.

 

Sie singt ihn nicht nur, sie lebt auch den Blues,

enttäuscht, resignierend, vom Kopf bis zum Fuß.

Es stockt ihre Stimme für einen Moment

ein lautloser Schrei, ihre Seele sie brennt.

 

So steht sie im Keller, der düster, verraucht.

Der Whisky ist billig, die Leute verbraucht.

Sie leben ihr Leben, meistens ist‘s schwer,

sie trinken den Whisky und oft auch noch mehr.

 

Stru 5/2001

5. Aug, 2017

Oft kommt sie auf leisen Sohlen

schleichend, langsam, unerwartet.

Eh die Seele es erratet,

Sie dich anlacht unverhohlen.

 

Schritt für Schritt tritt sie heran.

keine Aussicht zu entkommen.

Ist das Glück auch schon zerronnen,

jede Flucht bereits vertan.

 

Eisig kalt der Atem ist,

Panik nennt sich ihr Geselle,

und schon hier an Ort und Stelle,

all die Wärme wird vermisst.

 

Jede Stunde du jetzt bangst:

Wird sie dich auch bald verlassen,

Sich verlieren in den Gassen?

Denn auch andre haben Angst!

 

Stru 11/2000

3. Aug, 2017

Des Bauers Frau hatte den Ruf,

dass Gott sie mit Gewande schuf.

Denn keiner hat sie je geseh´n,

ganz ohne Stoff, wenn sie versteh´n.

 

Wenn nachts die Lampe sich verdunkelt,

des Bauer's Auge schon wild funkelt.

So wartet er und das seit Jahren,

die Frau mal OHNE zu erfahren.

 

Doch wieder kommt sie aus dem Bade,

mit einem Hemd bis hin zur Wade,

am Kopfe sitzt bei ihr ganz keck,

Ein Häubchen noch – oh schreck!

 

Beschämt läuft sie nun schnell zum Bette,

zieht bis zur Nase sich die Decke,

sie dreht sich um und haucht ganz leis

„Mein lieber Schatz, mir ist so heiß!"

 

„Kein Wunder, mein geliebtes Weib,

du hast fünf Decken übern Leib.

Auf meiner Haut ich spür ganz sacht,

die kühle Brise von der Nacht."

 

Sie denkt kurz nach und fasst sich Mut,

sieht hin zum Manne, der still ruht.

Wirft ab die Decken und das Hemd,

legt sich zum Schlafe leicht beschämt.

 

Am Morgen als sie leis erwacht,

schaut sie den Bauern, der laut lacht.

Er schaut sie an und sagt verzückt:

„Dir ist die Haube leicht verrückt.

 

und was ich seh gefällt mir gut!"

In seinen Augen sprüht die Glut,

er geht zu ihr und will sie küssen,

doch am Boden liegt ein Kissen.

 

Er stürzt und schreit ganz bitterlich,

erträgt den Schmerz fast ritterlich.

Zur Bäurin meint er noch ganz sacht:

„Ab Morgen Decken in der Nacht!“ 

 

Stru 10/2005

 

 

3. Aug, 2017

Sagte das Gelb zu dem Orange:
“Machen wir doch einen Tausch.
Ich bin die Frucht und du die Sonne.”
Der Plan erfüllte sie mit Wonne.

Das Orange nach kurzem Denken:
“Du willst des Schicksals Wege lenken?
Ich stimme zu wenn du die Frucht,
Ich schein sodann mit ganzer Wucht."

Sie tauschten, und mit großem Stolz
gelb war die Frucht am braunem Holz.
Das Orange ab nun allein,
am Himmel war als Sonnenschein.

Die Kraft der Sonne ließ nun nach,
orang´ne Strahlen sind zu schwach.
Die Frucht, die an dem Baume hing,
vor Kälte fast zugrunde ging.

So tauschten sie mit letzter Kraft
an deren Plätze und war´n geschafft.
Und die Moral von der Geschicht´?
Ein jeder seiner Art entspricht!

 

Stru 11/2005